Neue Vermittlungsformate für die freie Szene – Einladung zum Experimentieren

Seit 2014 lädt Theaterscoutings das Berliner Publikum ein, Tanz-und Theaterproduktionen der freien Szene zu entdecken. In Zusammenarbeit mit über 30 Spielorten und zahlreichen Künstler*innen gestalten wir Formate, um die Beziehung zwischen Zuschauer*innen und freien Darstellenden Künsten zu vertiefen.

Mit unserem neuen Projekt wollen wir Vermittlungsformate weiterdenken und laden Sie ein, sich mit uns auf ein Experiment einzulassen.
Ausgehend von der Idee, dass die Vielfalt und Experimentierfreude der freien Szene sich in ihrer Vermittlungstätigkeit widerspiegeln sollte, haben wir Akteur*innen der freien Szene eingeladen, neue Begleitformate zu entwickeln.

Über 40 Konzepte mit Ideen für Vermittlungsformate gingen nach unserer Ausschreibung im Herbst 2016 ein. Die zahlreiche, vielfältige und hochqualitative Teilnahme zeigt, wie lebendig die Vermittlungsszene bereits ist und noch werden könnte, wenn sie weiter gefördert wird. Mit Hilfe eines Expert*innenbeirats, bestehend aus Anete Colacioppo (Acker Stadt Palast), Carolin Gerlach (Expertin Vermittlungsformate) und Martin Nachbar (Künstler), entschieden wir uns für 8 Konzepte. Im Januar 2017 lernten sich alle ausgewählten Autor*innen kennen und bekamen die Möglichkeit, weiter an ihren Ideen zu arbeiten.

Nun möchten wir die neu konzipierten Formate mit Ihrer Unterstützung testen. Jedes Format soll drei bis fünf Mal im Anschluss an unterschiedlichen Orten und nach Produktionen der Berliner freien Szene getestet werden. In einem weiteren Schritt werden diese Formate in einem Handbuch präsentiert und mit praktischen Tipps für ihre Umsetzung versehen. Dieses Handbuch ist als ein praktisches Werkzeug gedacht und soll Akteur*innen der freien Szene bei ihrer Vermittlungsarbeit unterstützen.

Hiermit eine kurze Übersicht der ausgewählten Formate. Wir laden Sie ein, diese in Ihren Spielstätten und/ oder bei ihren Produktionen zu testen.
Dafür benötigen wir nur Ihre Offenheit für dieses Projekt sowie freie Karten für die Vorstellungsbesuche der Tester*innen sowie ein*r Feedback-Geber*in pro Testabend. Die Formate sind bewusst so konzipiert, dass ihre Umsetzung unkompliziert für die Spielstätten laufen soll. Die Teilhabe der Künstler*innen ist willkommen, jedoch oft nicht erforderlich. Bei Interesse reichen wir gern eine detailliertere Beschreibung der Formate nach.

Bitte teilen Sie uns mit, welche Formate für Sie interessant wären. Wir melden uns, um einen Test mit den Autor*innen zu organisieren.

 

 

1. Das unbeschriebene Blatt

von Anna-Sophia Fritsche, David Vogel, Jonas Feller & Stephan Mahn

Wenn die Erfahrung eines Theaterbesuchs zu Deinem persönlichen Kunstwerk werden würde, wie sähe es für dich aus? Diese Frage ist der Ausgangspunkt dieses Formats. Alle Zuschauenden sind eingeladen, mit einfachsten Mitteln (Papier) ihr eigenes Kunstwerk zu erschaffen und mit den Zuschauenden darüber ins Gespräch zu kommen.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 40 Minuten

 

 

2. Kartographie

von Anna-Sophia Fritsche, Jonas Feller & Stephan Mahn (Geheime Dramaturgische Gesellschaft)

Die Zuschauenden haben nach der Aufführung die Möglichkeit, den Bühnenraum zu erkunden und diesen mit ihren auf Klebezetteln notierten Gedanken, Erinnerungen und Fragen zu vermessen. Es entsteht eine gemeinsame Kartographie der individuellen Aufführungserlebnisse. Im Anschluss findet ein Gespräch statt.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 50 Minuten

 

 

3. Mobiler Nach(t)spaziergang

von Anna-Sophia Fritsche und David Vogel

Wie redest Du über Theater, mit einer Person, mit der Du nichts teilst außer dem gerade Erlebten? Kann hier gesagt werden, was sonst verborgen bleibt? Welchen Einfluss hat die Umgebung, durch die du wandelst auf das, was dir zur Aufführung einfällt? Eine Einladung an das Publikum, das Aufführungserlebnis in einem Telefongespräch mit einer (noch) fremden Person spazierend nachwirken zu lassen.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 40 Minuten

 

 

4. Retrospektive Improvisation – Wie haben wir das gemacht?

von Alisa Tretau (Myrtle Gordon)

Mit Hilfe drei einfacher Regeln verwandeln sich die Zuschauer*innen in die Theatermacher*innen des Abends. Nun kann, im fliegenden Wechsel zwischen Podium und Publikum, retrospektiv und improvisiert diskutiert werden: Wie verliefen die Proben, warum wurden Entscheidungen gefällt? Hat das Projekt die Gesellschaft verändert, wurde eine neue Ästhetik erfunden?
Kollektiv wird sich das Gesehene angeeignet und spekulativ weiterentwickelt.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 30 Minuten

 

 

5. Sag mir, wo du stehst?!

von Carolin Kister und Kai Padberg

Angelehnt an die Fernsehsendung „1, 2 oder 3" werden Fragen an die Zuschauer*innen gestellt. Als Antwort positionieren sie sich in einem von drei Meinungsfeldern. Ziel ist ein angeregtes Gespräch darüber, wer wo steht und warum. Die Fragen werden von der Moderation gestellt und können im Vorfeld mit der Spielstätte abgesprochen und auf die jeweilige Produktion zugeschnitten werden.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 30 Minuten

 

 

6. SichtWeisheiten

von Marie Golüke

Davon ausgehend, dass die unterschiedlichsten Wahrnehmungen das künstlerische Erlebnis ausmachen, interessiert sich dieses Format für einen Austausch von verschiedenen individuellen Blickwinkeln auf das Gesehene. Die Zuschauer*innen sind eingeladen, mittels Kateikarten den Künstler*innen Ihre Gedanken - zu vorher mit den Künstler*innen überlegten Fragen - anonym mitzuteilen. Diese Sammlung an ehrlichen Eindrücken wird als Ausgangspunkt für eine Diskussion benutzt.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 40 Minuten

 

 

7. Spurensuche im Alltag - ein digitaler Austausch

von Milena Meier, getestet von Ann-Marleen Stöckert

Das Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung findet in der Badewanne statt. Oder in der S- Bahn. Beim Frühstück oder der Zigarette danach. Denn wir suchen nach Spuren der Inszenierung im eigenen Alltag, wir schreiben die Inszenierung digital mit unserem Smartphone fort. Wir posten Fotos, Sounds, Texte oder Videos, erhalten Aufträge, stellen Fragen. Und das über eine WhatsApp-Gruppe. Ort und Moment bestimmen wir selbst. Ach so, und wir bleiben anonym.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer sieben Tage

 

 

8. Wer hat Angst vorm Publikum? Eine Soziale Choreographie

von Nick-Julian Lehmann

Eine choreographische Annäherung an die große Frage zwischen Ästhetik und Politik: Wer ist überhaupt das Publikum? Dafür bezieht sich das Format auf die Strategien und Methoden der Sozialen Choreographie*, die Bojana Cvéjic, Christine de Smedt und Ana Vujanovic im Rahmen ihrer Performance „Spatial Confession (on the question of instituting the public)“ entwickelt haben. Darin werden die Zuschauer*innen mittels eines choreographischen Skripts in die Lage versetzt, persönliche und politische Fragen in choreographische Bewegungsfolgen zu übersetzen. Dadurch entsteht nach und nach eine Soziale Choreographie, die das Publikum in seiner Zusammensetzung sichtbar werden lässt.
Zeitpunkt & Dauer: Beginn nach der Vorstellung, Dauer ca. 15 Minuten

 

 

Kontakt

Nathalie Frank
Leitung Publikumsgenerierung & Vermittlung, Performing Arts Programm Berlin
nathalie.frank(at)pap-berlin.de

 
 
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