Recherche/Lecture Performance + Publikumsgespräch Glücksdiktatur Selbstversuch Leistungsgesellschaft

Sa. 15.05. 20:30->TATWERK | PERFORMATIVE FORSCHUNG , Kreuzberg

Digitale Feedback-Session im Rahmen von "Between Us" zu 'Happily Ever After'

»Between Us« lädt ausgewählte Künstler:innen dazu ein, im Rahmen ihrer eigenen Arbeitensprozesse eigenständige, digitale und diskursive Formate zu realisieren, die ausdrücklich für das Streaming konzipiert werden. Benjamin Burger zeigt ein erstes Showing auf Basis seiner bisherigen Recherche in Form einer Videolecture Performance. Digitale Feedback-Session im Anschluss.

1 »Sie sind eine 44. Lassen Sie sich davon nicht unterkriegen. Das Resultat ist temporär. Es warten noch 58 Punkte mehr Glück auf Sie. Sie müssen es nur trainieren. Happy fighting!«
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"Between Us" stellt ein offenes Experiment sowohl für die Künstler:innen als auch für das Publikum dar. Können Inhalte und Modi der freien Szene Mainstream Streaming-Plattformen befruchten? In der aktuellen Recherche »Happy Points« untersucht Benjamin, ob für einem gesellschaftlicher Wandel nicht auch ein anderes Verständnis von Glück notwendig ist.Die Kuratorin Aurora Kellermann und der Künstler Benjamin Burger laden im Anschluss zu einer moderierten Gesprächsrunde um Impressionen und Feedback zu sammeln.

Über den Veranstaltungsort

TATWERK| Performative Forschung (Online)

Das TATWERK ist ein freier Produktionsort der darstellenden Künste in Berlin. Er ist spezialisiert auf das Ermöglichen und Begleiten künstlerischen Schaffens in allen Phasen des Arbeitsprozesses. Das TATWERK ist ein Labor zur Erforschung ästhetischer Potenziale und bildet eine diverse Gemeinschaft als Inkubator neuer Ideen, Perspektiven und Praktiken. Das Team um Aurora Kellermann und Chris Wohlrab hat sich der Aufgabe verschrieben, bestmögliche Arbeitsbedingungen für Künstler:innen der freien darstellenden Künste zu schaffen, nachhaltige Netzwerke und Kooperationen zu bilden und dem Publikum einen einfachen, jedoch intensiven und tief gehenden Zugang zur Erlebniswelt der performativen Kunst zu ermöglichen.
Der Fokus liegt auf politischen und poetischen Projekten, visionären Konzepten, die gesellschaftliche Dynamiken spiegeln und hinterfragen und anhand ihrer Fragestellungen neue Arbeitsweisen und Formate in die Szene einbringen. So begrüßen wir bei unseren Events ein diverses Publikum, das auf Entdeckungsreise in die Tiefen der zeitgenössischen darstellenden Künste gehen will.

Über das Stück

Happily Ever After

In seiner Recherche geht Benjamin Burger dem industriellen Glücksversprechen auf den Grund. Der performative Prototyp 'Happily Ever After' ist eine Auskopplung aus dem laufenden Rechercheprojekt 'Happy Points'. Darin geht Benjamin Burger in einem Selbstversuch dem Glücksversprechen der Leistungsgesellschaft auf den Grund. Hierfür nutzt er digitale Tools und Ratgeber, wie den digitalen Pinguin-Therapeuten WYSA. Allen gemein ist, dass sie ständig seinen Gemütszustand abfragen und seine emotionale Lage verbessern wollen. Benjamin ist hackable. Aber ist das überhaupt vorgesehen – endgültige Zufriedenheit? Immerhin würde in einer Konsumgesellschaft volle Zufriedenheit Stillstand bedeuten. Jedes Produkt geht ja davon aus, dass man noch nicht vollkommen genug ist und verspricht immer noch mehr Optimierung des eigenen Lebensgefühls. Ist es nicht vielmehr eine politische Verpflichtung unglücklich zu sein? Wie auch immer, die Recherche ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie führte Benjamin bislang durch zwei Lockdowns, seltsame Therapie-Bots und Support Ansagen, durch eine beunruhigend beruhigende digitale Naturlandschaft und weitere viele Überlegungen und seltsame Umstände.

Über die Mitwirkenden

Benjamin Burger

Benjamin Burger ist interdisziplinärer Künstler. Er arbeitet in Zürich und Berlin an der Schnittstelle von Theater, Performance und Design. Er ist Gründer der Produktion Extraleben und arbeitet in Kooperation mit anderen Künstler:innen oder Solo. Mit seinen Arbeiten exploriert er die Pathologien des Hyperkapitalismus.
»Es ist einfacher sei sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des Kapitalismus.« Einhergehend mit diesem omnipräsenten fatalistischen Lebensgefühl, das Mark Fisher als »Capitalist Realism« bezeichnet, stellt Benjamin sich in seinen künstlerischen Arbeiten die Frage, inwiefern Ausbruch aus dem System überhaupt noch möglich ist. Er unterstellt unserer Leistungsgesellschaft einen allgemeinen Erschöpfungszustand, der für ihn symptomatisch für die ausbeuterische Praxis steht, die diesem System zugrunde liegt. Der Zusammenbruch droht nicht nur ständig psychologisch (Burn Out, Despression, Psychosen) sondern auch das Ökosystem steht am Rande der Erschöpfung. Ausgehend davon legt Benjamin einen Schwerpunkt auf die psychologischen Folgen der Klimakatastrophe. Die Klimakrise könnte das ultimative Trauma unserer Gesellschaft darstellen, denn mit ihr beginnt die Erzählung der unendlichen Fitness und Wertschöpfung zu bröckeln. Man muss radikal neu aushandeln, was es bedeutet Mensch zu sein auf diesem Planeten. Hierfür begreift Benjamin Kunst und Theater als spekulativen Denkraum.

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